Der neue paten 4/2012

Liebe Leserinnen
und Leser,

die Erziehung von Kindern gelingt den allermeisten Eltern recht gut. Das ist nicht zu verwechseln damit, dass Hürden genommen und manchmal schwierige Probleme gemeistert werden müssen. Zur Erziehung von Kindern gehört auch, dass Kompetenzen ganz praktisch nach und nach erst erworben werden müssen und gelernt wird, auch, wo Informationen eingeholt werden können und welche zusätzlichen Hilfen jeweils passen und in Anspruch genommen werden sollten. Es gibt Eltern, die ihre Erziehungsaufgabe insgesamt souverän und hervorragend meistern. Aber auch wenn die Erziehung nicht optimal ist, so ist sie doch meist tolerabel und nicht zum Schaden vom Kind – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Natürlich stellt sich oft noch die Frage, ob die Eltern schwierig sind oder die Probleme vom Kind ausgehen.

Die wenigen Kinder, bei denen die Eltern ausfallen, bekommen oftmals Pflegeeltern. Diese wiederum sind bei den Jugendämtern „Mangelware“. Sie werden geschätzt, als Alternative zur Heimerziehung, weil das Kosten spart und anerkannt als dauerhafte familiäre Ersatzerziehung besonders für jüngere Kinder, weil diese kontinuierliche Bezugspersonen für die positive Entwicklung benötigen.

Aufgabe der Jugendämter ist es, für bedürftige Kinder ausreichend und geeignete Pflegefamilien vorzuhalten und diese so zu unterstützen, dass Familienpflege nicht scheitert. Bei der Familienpflege geht Erziehung aber öfter schief – und das bei Kindern, die meist schon schlechte Vorerfahrungen mit Erwachsenen machen mussten. Es gibt Abbrüche und vermehrt Erziehungsschwierigkeiten, weil die Kinder Beeinträchtigungen oder Behinderungen mitbringen und die staatlichen Sozialisationsinstanzen wie Kindergarten und Schule auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder nicht immer gut eingestellt sind oder aber, wenn den Pflegeeltern Kompetenzen fehlen und ihnen nicht die passende Hilfe im Alltag zu Gute kommt.

Wie so oft gibt es kein Patentrezept. Die folgenden Beiträge zeigen, wie die Jugendbehörde positiv unterstützen und gelingende Hilfe befördern kann, nicht nur formal, sondern auch mit Haltungen zum Kind und den Pflegeeltern. Erwachsene ehemalige Pflegekinder berichten, wie sie heute rückblickend ihre Zeit als Pflegekind und die Erwachsenen um sie herum erlebten und wie sie deren Verhalten „bewerten“. Daraus kann man lernen.

Auch den kritischen Blick auf Fehler möchten wir nicht ausblenden. Wir benötigen eine Diskussion darüber, was Jugendämter leisten können, was sie leisten müssen und Pflegeeltern müssen wissen, worauf sie sich verlassen können im komplizierten Gewirr und Zusammenspiel helfender (aber manchmal auch störender) Instanzen.

Viel Freude beim Lesen, eine besinnliche Vorweihnachtszeit, erholsame Feiertage und ein Gutes Neues Jahr wünschen

Ihre
Susanne Schumann-Kessner

und Ihr
Christoph Malter

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