Der neue paten 3/2013

Liebe Leserinnen
und Leser,

Maßnahmen der Jugendhilfe kosten die Kommunen viel Geld. Insbesondere die Hilfen außerhalb des Elternhauses, also Heim- und Pflegefamilienerziehung, sind Hilfen, die je Kind meist für recht lange Zeiträume benötigt werden, also auch nachhaltig hohe Kosten verursachen. Sie kommen einer kleinen Gruppe von Kindern – den Bedürftigsten – als ultima ratio zu Gute. Diese wiederum sind meist existenziell darauf angewiesen. Gäbe es diese Hilfen nicht, wäre das Elend in unserem reichen Land für viele Kinder noch größer. Einerseits werden mit diesen Hilfen Missstände kompensiert, andererseits sollen Kindern würdige Bedingungen gesichert werden, in einer Gesellschaft aufwachsen zu dürfen, in der Grundbedürfnisse nicht zur Diskussion gestellt werden.

Seminarprogramm der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes herunterladen.

Nun wollen Jugendämter – die hier beträchtliches leisten – wissen, ob und wie die von ihnen finanzierten Hilfen wirken. Dazu gibt es Hilfepläne. Diesem Thema widmet sich der vorliegende paten. Weil wir aus Fehlern lernen wollen, bleiben wir an „Fällen“, die nicht optimal verlaufen. Wir haben zusammengetragen, was in Hilfeplänen festgehalten werden sollte, damit die Hilfe „Familienpflege“ gut gelingen kann und auch der notwendige Fortbestand der Hilfe ausreichend abgesichert wird. Wir warnen vor zu einengenden Zielen und Leistungsansprüchen, denn vieles von dem, was Kinder im normalen Altersdurchschnitt leisten oder bewältigen können, ist für biografisch vorbelastete Kinder nicht ohne weiteres möglich.

Pflegeeltern lernen in der Regel, sich vom Kind an die Hand nehmen zu lassen. In dem Maß, wie es sich mit seiner Vorgeschichte auseinandersetzen kann – ohne dabei bedrängt zu werden (!) – gelingt zukünftige Sozialisation. Fast alle Pflegekinder mit traumatischen Vorerfahrungen benötigen mehr Zeit zur Bewältigung von Aufgaben – Schulabschluss, Ausbildung, Arbeitsplatz, Partnerbeziehung – die sowieso schon kompliziert sind. Und manche bleiben lebenslang auf Hilfen angewiesen, wenn ein Leben in Würde ermöglicht bleiben soll.

Wir verzichten auf komplizierte Diskussionen, wie sie in vielen Fachbüchern vorgestellt werden und setzen einen Fokus auf das Pflegekind mit seinen Wünschen nach einem Aufwachsen in Geborgenheit, aber auch dem Wunsch nach einem sicheren Hafen, in den man jederzeit zurückkehren kann. Etwas ist uns aufgefallen: Immer wieder bewegt Jugendhilfe sich im „rechtsfreien“ Raum. So kommt es dann, dass manchmal vorsätzlich, oft vielleicht auch unbeabsichtigt, Bedürfnisse und Rechte von Kindern nicht formuliert oder auch ungerechtfertigt übergangen werden.

Wir hoffen, dass geordnete und vernünftige Hilfeplanverfahren zur Verbesserung der Situation von Kindern beitragen, damit Teilhabe und Integration gelingt. Viel Freude beim Lesen wünschen Ihre

Ihre
Susanne Schumann-Kessner

und Ihr
Christoph Malter

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