Der neue paten 4/2013

Liebe Leserinnen
und Leser,

die ersten Lebensjahre sind entscheidend. Macht ein Kind positive Erfahrungen des Versorgt- und Angenommen-Seins, so wirkt sich das positiv auf den gesamten Lebensweg aus. Erfahrungen prägen sich ein und wirken auf die weitere Entwicklung. Negative Erfahrungen können nicht einfach ausgelöscht werden. Sie können die kindliche Entwicklung nachhaltig stören und negativen Einfluss entfalten. Weil das so ist, kommen Kinder zu Pflegeeltern. In den ersten Lebensjahren sind Kinder auf sichere Bindungsbeziehungen zu liebevollen Erwachsenen angewiesen. Ist absehbar, dass biologische Eltern die für die Erziehung eines Kindes notwendige Eignung nicht entwickeln können, so ist es zumindest aus der Sicht des Kindes zu seinem eigenen Schutz von Bedeutung, dass es rechtzeitig getrennt und fremd platziert wird.

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Auch nach einer Platzierung ist es wichtig, dass dem Kind liebevolle Bindungsbeziehungen nicht vorenthalten werden. Bindet sich ein Kind an eine Pflegefamilie, so gibt es ein Zeitfenster, das bei kleinen Kindern nur wenige Monate beträgt, nachdem eine weitere Umplatzierung oder Rückführung alleine schon wegen der erneuten Trennung zum Zukunfts- und Entwicklungsrisiko wird.

Die Pflegefamilie wird vielfach in der Theorie als eigenes ‚System‘ verstanden. Es werden Erwartungen auf sie gerichtet, die nicht immer realistisch und nicht selten widersprüchlich sind. So wünschen sich leibliche Eltern Umgänge, die oft in Maß und Intensität für das ‚System Pflegefamilie‘ nicht alltagstauglich sind oder wollen ihr Kind in den eigenen Haushalt zurück, ohne den damit an sie gerichteten Anforderungen gewachsen zu sein. Auch in Jugendämtern gibt es unterschiedliche Grundpositionen zu den Fragen Verbleib und Rückkehr, kindgerechte Lebensbedingungen, Sicherung des Aufwuchsplatzes und die Rolle der leiblichen Eltern im direkten Kontakt und Verhalten zu ihrem Kind.

Im vorliegenden paten wollen wir fachliche Rahmenbedingungen aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen, die Pflegekind und -familie benötigen, die rechtlichen Möglichkeiten skizzieren und darauf hinweisen, dass ein rücksichtsvoller Umgang mit Pflegefamilien ebenso gute Werbung für neue Pflegeeltern ist wie hinreichend kompetente Hilfen. Kompetente Sozialarbeiter/innen wissen, dass ‚Commitment‘ ein wesentlicher Faktor für das Gelingen der Pflegekindererziehung ist, also die loyale Haltung der Pflegeeltern zum Kind und deren außergewöhnliches Engagement, das sich nun einmal nicht verordnen oder erzwingen lässt.

Manchmal richtet sich Kritik von Pflegeeltern auch gegen jugendamtliches Handeln. Wenn solche Kritik sich im Rahmen normaler, alltäglicher Konflikte bearbeiten und auflösen lässt, verzichten wir auf die Berichterstattung. Bedauerlicherweise können wir aber auch in diesem paten ausführlich über einen Fall berichten, bei dem jugendamtliches Fehlverhalten tief in den Strukturen der Stadt Kiel verwurzelt und dazu geeignet ist, ein familiäres System – das der Pflegefamilie – reichlich und unnötig in seinen stabilen Strukturen zu erschüttern. Denn eines wünschen wir uns für Pflegekinder: dass sie bei ihren Pflegeeltern finden, was sie bisher nicht hatten, verlässliche und stabile Lebensbedingungen. Und diese sollten Jugendämter, wenn sie darauf hingewiesen werden, nicht leichtfertig gefährden. Unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir erholsame und besinnliche Feiertage und ein Gutes Neues Jahr wowie viel Freude beim Lesen

Ihre
Susanne Schumann-Kessner

und Ihr
Christoph Malter

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