Der neue paten 3/2015

Liebe Leserinnen
und Leser,

immer wieder wird von Fachkräften, Familienrichtern/innen und von im Allgemeinen Sozialdienst der Jugendämter Beschäftigten gefordert, dass im Spannungsfeld zwischen Kinderschutz und Kindesmisshandlung mehr Elternarbeit zu fördern und zu leisten sei. In der Praxis tätige Sachbearbeiter/innen reklamieren zu Recht, dass ihnen die Mittel und Zeit dazu fehlen, oft auch hinreichend qualifizierte Therapeuten oder Psychologen, die im Umgang mit traumatischen Erlebnissen in den Biografien von Eltern und Kindern die notwendigen Kompetenzen für diese schwierige Arbeit mitbringen.

Das SGB VIII mit seinem elternzentrierten Ansatz und die Rechtsprechung, die sich immer wieder schwer damit tut, Elternrechte (auch rechtzeitig) zu beschränken, wenn es nötig wäre, machen es den fallverantwortlichen Sozialpädagoginnen und -pädagogen in den Jugendämtern schwer, sowohl in der Arbeit mit Pflegeeltern, diese möglichst ehrlich und urteilssicher zu unterstützen und zu beraten sowie schädliche Einflüsse von den betroffenen Kindern effektiv und nachhaltig fern zu halten, als auch mit Eltern offen und ehrlich umzugehen: Nicht selten werden mit falschen Versprechungen unrealistische Hoffnungen erziehungsunfähiger Eltern auf Rückkehr aufrecht erhalten, die dann Umgangsregelungen und das Kind belasten. Schwere Enttäuschungen sind in diesen Konstellationen vorprogrammiert, wenn nicht gar die Wiederholung der Traumata und Misshandlungen.

Ob das allseits geforderte „Mehr“ an Eltern­arbeit einen besseren Kinderschutz ermöglicht, ob misshandelnde Eltern sich daran beteiligen wollen und beteiligen können, ob Elternarbeit positive Auswirkungen auf Umgänge hat oder eben auch nicht und welche Eltern man erreichen kann und wann negative Einflüsse in das neue Lebensfeld der Pflegekinder überwiegen – das sind Fragen, die bedauerlicherweise immer noch hochmotiviert konträr mit ideologischem Eifer bewegt werden und die Lösungen in den Einzelfällen scheinen mehr vom Zufall geprägt oder dem vorherrschenden Ideal der Entscheidungsverantwortlichen als von dem Wissen, das auf tragfähigen Erkenntnissen basiert und wohl abgewogen werden kann, wenn die jeweilige Situation des betroffenen Kindes hinreichend betrachtet wird.

In mehreren paten hatten wir schon interessante Beiträge zum Thema „Umgang“ veröffentlicht, die nun in einem neuen Sammelband zum Fachtag zusammengestellt wurden. Wir ergänzen diese um weitere, die Praxis anleitende Erfahrungen und hoffen, damit Informationen für die Ausbildung und die Arbeit vor Ort gefunden zu haben. Sie verdeutlichen, dass es bei Umgängen fremdplatzierter Kinder nicht nur um falsch verstandene Elternrechte gehen darf, sondern dass Wege gefunden werden müssen, die Eltern und Kindern helfen, aber auch, wenn unüberwindbare Konflikte das Geschehen überlagern, die Kindesinteressen nicht bedingungslos geopfert werden dürfen und im Zweifelsfall – in Einklang mit der Verfassung – auch unverkürzt gegen die Eltern gerichtet Vorrang haben.

Bleibt zu wünschen, dass viele Leser bei der Lektüre das finden, was hilfreich ist. Viel Freude beim Lesen wünschen

Ihre
Susanne Schumann-Kessner
und Ihr
Christoph Malter

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