Unangekündigte Hausbesuche bei Pflegeeltern durch das Jugendamt

Im Fall „Anna“ ist das Kind in seiner Pflegefamilie durch Gewalteinwirkung der Pflegemutter zu Tode gekommen. Bei der Aufarbeitung des „Falls“ durch das zuständige Jugendamt wurde der Ruf laut, zukünftig unangekündigte Hausbesuche durch Jugendamtsmitarbeiter bei den Pflegeeltern durchzuführen. Begründet wird dies u.a. mit dem Ziel, Pflegeeltern zu schützen.

Jedes zu Tode gekommene Kind ist ein Kind zu viel und das ist durch nichts zu entschuldigen. An dieser Stelle muss aber dennoch die Frage erlaubt sein, wie Pflegeeltern von den zuständigen Jugendämtern ausgesucht, vorbereitet und begleitet werden. Hierzu gibt es leider keine verbindlichen Standards, auch nicht für die weitere Qualifizierung von Pflegeeltern.

Pflegefamilien sind immer auch „öffentliche“ Familien. Sie sind in unterschiedliche Netzwerke, wie z.B. mit den zuständigen Jugendämtern, Therapeuten etc. eingebunden. Das wissen Pflegeeltern und sie leisten es auch. Es erfordert von ihnen eine hohe Bereitschaft, sich als Familie für solche Aufgaben zu öffnen. Aber, Pflegefamilien haben auch ein Recht auf Privatsphäre. Diese Privatsphäre muss erhalten bleiben, damit Pflegefamilien ihre wichtige Arbeit leisten können. Durch die unterschiedlichen Termine und Kontakte, die die Begleitung eines Pflegekindes notwendig machen, lastet auf den Pflegefamilien schon genug. Viele Pflegeeltern geraten im Umgang mit ihrem Pflegekind, das meistens eine massiv vorbelastete Geschichte hat, bis an ihre psychische und physische Grenze. Hier muss verstärkte Unterstützung und Entlastung geschaffen werden.

Pflegeeltern benötigen ein hohes Maß an Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft, mit den unterschiedlichen Stellen und Institutionen zusammen zu arbeiten, um den Pflegekindern die notwendige aristocrat pokies Unterstützung in ihrem Haushalt geben zu können.

Dazu muss auf allen Seiten ein achtungsvolles und ehrliches Miteinander gewährleistet sein. Es bedarf eines vertrauensvollen Miteinander. In dem Zusammenhang wird immer wieder von dem „Miteinander auf Augenhöhe“ gesprochen. Um dieses Vertrauen aufbauen zu können, bedarf es ausreichend Zeit und Kontinuität der Ansprechpartner. Für einen Kontaktaufbau zu den Kindern sind mehr als zwei Kontakte im Jahr notwendig, um von einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Pflegekind und dem zuständigen Sozialarbeiter sprechen zu können. Pflegekinder wünschen sich konstante Ansprechpartner. Das belegt u.a. auch unser Projekt „Pflegekinderstimme“. Pflegekinder sollten und müssen mehr einbezogen/gehört werden.

Pflegefamilien haben ein hohes ehrenamtliches Engagement. Sie geben einem fremden Kind ein neues Zuhause, sie wollen ihm Eltern sein. Sie übernehmen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, erhalten dafür aber nicht die Anerkennung, die sie eigentlich dafür bekommen müssten und sollten. Im Gegenteil. Halten sich doch Vorurteile wie: „Die tun das ja nur wegen des Geldes“ recht hartnäckig. Solche Vorurteile werden von Rufen nach unangekündigten Besuchskontakten zusätzlich geschürt. Jedes Kind, was in einer Pflegefamilie zu Tode kommt, ist ein Kind zu viel!

In diesem Zusammenhang muss und darf aber auch die Frage gestattet sein: Ist Anna in die richtige Pflegefamilie vermittelt worden?

Vom Gesetz her hat das Jugendamt die Aufgabe der Wächterfunktion. Es hat über das Wohl des Kindes zu wachen. Das heißt, besteht der Verdacht, dass in der Pflegefamilie eine Kindeswohlgefährdung stattfindet, hat das Jugendamt die Pflicht der sofortigen Überprüfung und ggf. auch die Herausnahme des Kindes zu veranlassen. Weitere unangekündigte Besuchskontakte vor Ort zu fordern ist daher überflüssig.

PAN e.V. lehnt unangekündigte Besuchskontakte bei Pflegeeltern ab. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage was passiert, wenn man bei einem unangekündigten Besuchskontakt den Eintritt in die eigene Wohnung ablehnen würde? Wie oft darf man das tun?

Wir als Landesverband für Pflege- und Adoptivfamilien fordern:

  • Verbindliche Standards bei der Vorbereitung von zukünftigen Pflegeeltern.
  • Kontinuierliche Qualifizierungen von Pflegeeltern. Pflegeeltern haben ein Recht auf Privatsphäre.
  • Pflegeeltern benötigen Entlastung und gezielte Unterstützung, um die wichtige Aufgabe für das Pflegekind leisten zu können.
  • Ein Miteinander auf Augenhöhe setzt Vertrauen voraus, das über einen längeren Zeitraum sowohl von Pflegeeltern als auch von Mitarbeiter/innen des Jugendamtes erarbeitet werden muss.
  • Ansprechpartner in den Jugendämtern, die Zeit haben, d.h. geringere Fallzahlen der Mitarbeiter.
  • Mitarbeiter, die in den Fachthemen gut aus- und weitergebildet sind. Eine wertschätzende und wohlwollende Haltung gegenüber Pflegeeltern.
  • Konstante Ansprechpartner für die Pflegekinder.