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Der neue paten 3/2019 Baustellen

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben „trubelige“ Zeiten in der Jugendhilfe, im Kinderschutz, im Adoptiv- und Pflegekinderwesen, bei den Gerichten, im Gesundheitswesen, in der Politik. Viele Baustellen die dringend umgebaut, abgerissen oder neu errichtet werden müssen.
Was haben uns die verschiedenen Themen in den letzten Monaten beschäftigt. Die Fälle, wie zum Beispiel der in Lügde, zeigen uns immer wieder Missstände auf, bieten uns aber auch einmal mehr die Möglichkeit auf konstruktive Art an Lösungen zu arbeiten, auch wenn die Wege dorthin mühsam und langwierig erscheinen.
Auch unsere Kinder zeigen uns durch ihr verändertes Verhalten, den vielerorts zunehmenden Druck, ihre dahingehende Verunsicherung durch Auffälligkeiten. Hier bieten uns zwei aufschlussreiche Artikel, die in unseren Kindern und Jugendlichen vorgehenden Prozesse, besser zu verstehen. Auch werden hier Strategien zum Lösen, zum Umgang mit den Auffälligkeiten, Problemen der Kinder und Heranwachsenden aufgezeigt.
Einen Einblick in den Kinderschutz aus einem ganz anderen Blickwinkel bietet uns hier die Polizei. Es ist beispielsweise gesetzlich geregelt, wie Ordnungsbehörden also auch die Jugendämter – und die Polizei im Rahmen ihrer sachlichen Zuständigkeit zusammenarbeiten müssen um sich gegenseitig über Vorkommnisse und Maßnahmen von Bedeutung zu unterrichten. Hieraus darf gerade von Seiten der Polizei nicht fälschlich abgeleitet werden, dass das bloße Melden an das Jugendamt von einer Prüfung des jeweiligen Einzelfalles auf das Vorliegen einer gegenwärtigen Gefahr und das Erfordernis Gefahren abwehrender Sofortmaßnahmen befreit. Ganz im Gegenteil: Die Polizei muss hier beim Jugendamt weiter nachfragen, hinschauen, weiterverfolgen, bis sich hier etwas ändert. Es reicht eben nicht diese Baustelle vorzeitig zu verlassen und jemand anderer (Jugendamt) übernimmt die alleinige Baustellenleitung!

Auch bei familienrechtlichen Auseinandersetzungen gibt es immer öfter Kritik, bei teils nicht nachvollziehbaren Entscheidungen. Hier gilt es, besonders für Familien in Nöten (bei Herausnahme des Kindes) hier bereits viel schneller, schon im Vorfeld zu reagieren, sich viel schneller Hilfe / Unterstützung bei auftretenden Problemen zu suchen und nicht erst, wenn scheinbar gar nichts mehr anderes möglich ist.

Es zeigen sich an den hier beschriebenen Baustellen bereits etliche Risse, Löcher und Gräben. Stellenweise wurden hier Begrenzungen verschoben, übertreten. Hier muss beim Fundament des Bauwerks Jugendhilfe deutlich ausgebessert, nachgebessert werden. Bei den anderen Behörden und Institutionen muss ebenfalls ein Umdenken, ein Umbau, im Sinne des Kindeswohls, erfolgen. Schnelle Flickschusterei ist hier fehl am Platze. Denn geflickte Stellen werden schnell brüchig und bröckeln. Die danach fällige Sanierung ist oft aufwendig und teuer, hinterlässt spürbare, deutliche Spuren bei all den Betroffenen.
Gleiches wünschen wir uns für alle Kinder und Familien in Nöten. Qualitätsstandards, angemessene Beratung, Betreuung, Anhörung, Begleitung und Hilfen (möglichst wenig kompliziert aus Kindersicht) der jeweiligen Fachkräfte, in einer dem Lebensalter des Kindes und Jugendlichen angemessen Zeitspanne, damit die Kinder schneller zur Ruhe kommen, weniger Ängste entwickeln und ihre Seele heilen darf, an einem für sie sicheren Ort.
Helfen Sie uns auch weiterhin dabei die Baustellen aufzuzeigen und zu beackern. Ihnen allen eine wenig stürmische, farbenfrohe herbstliche Zeit und

Viel Freude beim Lesen wünschen Ihnen

Ihre Susanne Schumann-Kessner & Ihr Dirk Müller

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Thema Baustellen

Anhörung im Landtag NRW zum Thema „Jeder Fall ist ein Fall zu viel …“
Pflegekinder und Pubertät
Tipps für die Erziehung von Kindern in der Pubertät aus „starke Kinder – starke Eltern“
Die doppelte Pubertät der Pflegekinder
Es tropft blutrot… Ritzen als Regulationsstrategie
Kinderschutz in der Migrationsgesellschaft
Die Rolle der Polizei im Kinderschutz

Der kleine paten

Recht, Theorie und Praxis

Arbeitspapier „SGB VIII: Mitreden – Mitgestalten“
Die Schwierigkeiten mit den Ansprüchen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG)
Bezahlung als Einzelvormund bei gemeinsamer Bestellung
Rückführung nach einer Herausnahme aus der Pflegefamilie

Presseschau

Wenn Familienrichter keine Ahnung haben
Warum musste der Junge sterben?
Was heißt es 2019 ins Heim gesteckt zu werden?
Miese Fehlerkultur
Exklusion beenden!
Verlängerung der Bewerbungsfrist
„Kinderrechte umsetzen – aber wie?“
„Traumatisierung – und was heißt das für unsere Pflege- und Adoptivkinder?“ Fachtag Trauma 04.11.2019

Kurz notiert: Die paten-Pinnwand

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Die Kinder- und Jugendhilfe bedarf grundlegender Reformen!

Bundesweit einheitliche Fachstandards in der Kinder- und Jugendhilfe fehlen. Wo sie innerhalb von Bundesländern recht unterschiedlich existieren, sind sie, auch bei intensiven Bemühungen von Mitarbeitern der Landesbehörden, in den Jugendämtern kaum durchsetzbar.


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Gruppen und Organisationen vor Ort

PAN unterstützt örtliche Selbsthilfegruppen in der Gründungsphase und durch regelmäßige Fortbildung der Gruppensprecher. Sofern Sie sich einer dieser örtlichen Gruppen anschließen möchten, finden Sie nachfolgend eine Übersicht bestehender Initiativen.